Parfümerie in all ihren Stilen

Amber in der Parfümerie: ein Akkord, kein Rohstoff

Flacon du parfum Caffè Roma de Zhufu, fond de benjoin et d'ambre

Amber ist kein Rohstoff des Parfümeurs. Amber ist ein Akkord, eine Mischung, die meist Labdanum, Benzoe und Vanille zusammenbringt. Wenn eine Produktseite eine Amber-Note nennt, meint sie diese Mischung und keine Pflanze und keinen Stein.

Was Parfümeure Amber nennen

In einer Duftpyramide beschreibt Amber eine Facette: warm, harzig, leicht pudrig, mit einer trockenen Süße. Diese Facette entsteht aus einem Zusammenspiel. Labdanum bringt das dunkle Harz und das Leder, Benzoe die balsamische Weichheit, Vanille oder Vanillin die Rundung. Je nach Formel kommen Styrax, Tolubalsam, Tonkabohne, Patchouli, Honig oder ein synthetisches Amberholz dazu.

Keiner dieser Stoffe heißt Amber. Der Akkord hat den Namen in Analogie zum fossilen Harz übernommen, wegen der Farbe und wegen der Wärme. Die französischen Klassifikationen der Duftfamilien führen diese Parfums als Amber-Düfte, die der Handel noch orientalisch nennt. In unserem Shop stehen sie in der orientalischen Kollektion.

Synthetisches Vanillin hat viel für diesen Akkord getan. Wilhelm Haarmann und Ferdinand Tiemann gewannen es 1874 aus Coniferin, einem Stoff aus dem Saft von Nadelbäumen, und die industrielle Herstellung begann schon im Jahr darauf in Holzminden. Die Vanillesüße wurde damit zu einem erschwinglichen Material der Palette. Die großen Amber-Düfte des 20. Jahrhunderts, Shalimar von Guerlain aus dem Jahr 1925 an der Spitze, stützen sich auf diese Harze und auf diese Vanille.

Labdanum, das Rückgrat des Akkords

Labdanum ist ein sehr klebriges, fast schwarzes Oleoresin der Zistrose. Die in der Parfümerie genutzte Art ist Cistus ladanifer, ein Strauch des westlichen Mittelmeerraums: Spanien, Portugal, Marokko. Die Sommerhitze lässt das Harz auf Blättern und Zweigen austreten.

Früher lief die Ernte über die Herden. Das Harz blieb im Fell der Ziegen hängen, die an den Zistrosen fraßen, und wurde anschließend ausgekämmt. Heute geht es direkter: Die Zweige werden zu Bündeln geschnitten, gekocht, damit sich das Gummi löst, und dann mit Lösungsmittel behandelt. Daraus entsteht ein Resinoid, dunkel und rauchig, oder ein Absolue, mit Alkohol von den Wachsen befreit.

Für sich genommen riecht Labdanum nach Leder, trockenem Tabak, Honig und Harz. Auf einem Teststreifen hält es sehr lange, auf der Haut noch länger. Es ist außerdem eine Säule der Chypre-Familie, wo es Moos und Bergamotte antwortet. In einem Amber liefert es Tiefe und Haltbarkeit; ohne Labdanum bleibt vom Akkord nur Vanille.

Benzoe, der süße Teil

Benzoe ist das Harz zweier Bäume der Gattung Styrax. Siam-Benzoe stammt von Styrax tonkinensis und wird vor allem in Laos in Bergwäldern geerntet. Sie ist hell und weich und enthält Vanillin, was ihre Facette von balsamischer Vanille erklärt. Sumatra-Benzoe von Styrax benzoin ist dunkler und schärfer: Hier überwiegen Ester der Zimtsäure, mit weniger Vanillin. Die Parfümerie bevorzugt in der Regel die erste.

Geerntet wird durch Einschnitte in die Rinde. Die Schnitte erfolgen im Frühjahr und im Sommer, das Gummi wird im Winter danach eingesammelt. Anschließend löst man es in einem Lösungsmittel zum Resinoid, das in die Formeln geht. Benzoe zählt ebenso wegen ihres Dufts wie wegen ihrer Rolle als Fixateur: Sie verlangsamt das Verdunsten der Stoffe um sie herum.

Amber, Ambra und Bernstein

Drei verwandte Wörter bezeichnen drei verschiedene Dinge.

  • Amber in der Parfümerie ist der oben beschriebene Akkord aus Harzen, Vanille und Hölzern.
  • Ambra, auch grauer Amber genannt, ist ein Konkrement aus dem Darm des Pottwals, das ins Meer gelangt und dort von Salzwasser und Sonne gehärtet wird. Es riecht salzig, animalisch und mineralisch, ohne jede Süße des Amber-Akkords. Der Pottwal ist eine geschützte Art, und die meisten Häuser arbeiten mit Ersatzmolekülen. Das bekannteste ist Ambroxan, seit 1950 halbsynthetisch aus dem Sclareol des Muskatellersalbeis gewonnen.
  • Bernstein, der Succinit, ist fossiles Harz von Nadelbäumen, das Material der Schmuckstücke. Es liefert in der Parfümerie keinen gängigen Duftstoff.

Auf einer Produktseite versprechen Amber und Ambra also nicht dasselbe. Das erste steht für harzige Wärme, das zweite für eine salzige, trockene Facette. Manche Parfums führen beides.

Warum ein Amber-Duft lange hält

Die Stoffe dieses Akkords sind schwer und kaum flüchtig. Harze, Balsame und Absolues verdunsten langsam und halten die leichteren Noten darüber zurück. Ein Amber bleibt deshalb stundenlang wahrnehmbar, oft 8 bis 12 h auf der Haut, und wird dabei schlichter. Unser Artikel zur Duftpyramide erklärt dieses stufenweise Verdunsten.

Die Konzentration verstärkt den Effekt. Ein Extrait enthält mehr Duftöl als ein Eau de Parfum, und die Basis wiegt darin schwerer: Unser Leitfaden zu den Konzentrationen erklärt den Unterschied. Auch die Haut zählt. Fettige Haut hält diese Harze besser als trockene Haut, die sie schneller abgibt.

Es gibt eine Kehrseite. Ein reicher Amber kann in großer Hitze, in einem geschlossenen Büro oder am Restauranttisch schwer wirken. Ein Sprühstoß genügt oft, und die Kleidung behält die Spur über Tage.

Sechs Amber-Parfums aus dem Katalog

Die folgenden Parfums nennen Amber, Benzoe oder Labdanum in der auf ihrer Seite veröffentlichten Pyramide.

Der vollständige Amber-Akkord

Fuckboy von Aaron Terence Hughes ist als Gourmand-Amber geführt. Amber bildet allein das Herz, die Basis vereint Tonkabohne, Honig, Patchouli, Benzoe und Vanille: Alle drei Bestandteile des Akkords sind da, der Honig verlängert das Labdanum. Die Kopfnote aus Zitrone, Bergamotte, Blutmandarine und Pfefferminze verhindert den Marmeladeneffekt. Extrait mit 35 %, angegebene Haltbarkeit 10 h und mehr. Das Haus wird mit einem oder zwei Sprühstößen getragen, wie unser Porträt von Aaron Terence Hughes erläutert.

Benzoe in einem Gourmand

Caffè Roma von Zhufu legt Benzoe, Amber, Guajakholz und Sandelholz in die Basis, unter Espresso, toskanische Orangenschale und Safran. Das Herz ergänzt geröstete Haselnuss, Patchouliharz, schwarzen Tee und Vanilleschote. Ein gutes Beispiel für Benzoe als Fixateur: Kaffee, ein flüchtiger Stoff, bleibt lange lesbar. Extrait mit 25 %. Das chinesische Haus stellen wir im Artikel über Zhufu vor.

Harze ohne Zucker

Whore Blue aus demselben Haus zeigt die andere Richtung. Die Basis verbindet Patchouli, Benzoe, Vetiver, Vanille, Tonkabohne und weißen Moschus, während der Kopf aus Bergamotte, Elemiharz und Muskatnuss und das Tabakherz das Ganze ins Trockene ziehen. Die Seite führt es als holzig-tabakigen Orientalen, mit einer Haltbarkeit von 12 h und mehr. Ein Amber muss nicht süß sein.

Amber mit Oud

Oud vereint beide Register. Amber erscheint im Herzen mit Dattel und Himbeere, die Basis stapelt dann thailändisches Oud, birmanisches Oud, Benzoe, Patchouli, Sandelholz, Vanille und Ambra. Beide Amber stehen also nebeneinander, der harzige und der salzige. Unser Artikel über Oud erklärt, wie dieser Stoff entsteht und warum er so teuer ist.

Amber und Tabak

Black Cavendish von Tada Parfumeur setzt Amber in die Basis, mit Tabak, Sandelholz und Zimt, nach einem Kopf aus Rum, Weihrauch, Muskatnuss und Karamell. Der Name verweist auf einen gesüßten Pfeifentabak. Der Amber-Akkord verbindet hier das rauchige Blatt mit der Vanille des Herzens. Das thailändische Haus hat sein eigenes Porträt im Blog.

Ein hellerer Amber

Kayos setzt Amber ins Herz, mit Tonkabohne, blauer Himbeere und Pflaume, unter einem Kopf aus Zitrone, Süßorange, Mandarine und rosa Grapefruit. Die Basis bleibt leicht: Sandelholz, Vanille, Muskatnuss. Der Beweis, dass ein Amber hell bleiben kann, ohne das Gewicht der großen Orientalen.

Weitere Düfte dieser Art stehen in der Gourmand-Kollektion, wo Harze auf Dessertnoten treffen.

Häufige Fragen

Ist Amber ein natürlicher Stoff?

Nein, denn es gibt keinen Rohstoff mit dem Namen Amber. Der Akkord entsteht aus natürlichen Stoffen, vor allem Labdanum und Benzoe, und fast immer mit synthetischem Vanillin. Das Verhältnis der beiden ist von Haus zu Haus verschieden.

Was unterscheidet einen Amber-Duft von einem orientalischen Duft?

So gut wie nichts. Beide Wörter benennen dieselbe Duftfamilie. Die französischen Fachklassifikationen sagen Amber, der Handel sagte lange orientalisch. Manche Seiten nennen eine Unterfamilie, Amber-Vanille, Amber-Holzig oder Amber-Würzig, die mehr verrät als der allgemeine Begriff.

Lässt sich ein Amber-Duft im Sommer tragen?

Ja, wenn Sie die Dosis verringern und eine Formel mit frischem Kopf wählen, etwa Kayos oder Fuckboy. Amber-Düfte mit viel Harz und Vanille passen besser in die kalten Jahreszeiten, in denen die Körperwärme sie ohne Übermaß verbreitet.

Wie erkennt man einen Amber auf einer Produktseite?

Suchen Sie nach Labdanum, Zistrose, Benzoe, Styrax, Tolubalsam, Amberholz oder dem Wort Amber in den Basisnoten. Die auf der Seite angegebene Familie sagt das Übrige. Die Anzeigen für Sillage und Haltbarkeit bei jedem Parfum im Shop helfen bei der Einschätzung der Intensität.

Wird Ambra heute noch verwendet?

Sehr selten, und in der industriellen Parfümerie nie. Nennt eine Pyramide Ambra, steht dahinter meist Ambroxan oder ein anderes Ersatzmolekül. Einige unabhängige Parfümeure arbeiten mit Ambra, die an Stränden gesammelt wurde, in Ländern, in denen das Gesetz es erlaubt.

Weiterlesen

Amber gehört zu den Stoffen, die wir im Dossier Die Materialien des Parfums vorstellen. Wer einen Gourmand-Amber, einen trockenen Amber und einen holzigen Amber vor dem Kauf eines Flakons auf der eigenen Haut vergleichen will, findet jedes genannte Parfum als Probe mit 2 ml.