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Allergene und IFRA: Was das Etikett eines Parfums verrät

Flacon de 50 ml de l'extrait de parfum Maverick d'Aaron Terence Hughes

Auf dem Etikett eines in Europa verkauften Parfums steht das Wort „Parfum“ für die gesamte Duftkomposition. Nur bestimmte Stoffe, die Kontaktallergien auslösen können, müssen einzeln genannt werden, sobald sie einen in der EU-Kosmetikverordnung festgelegten Grenzwert überschreiten. Die IFRA-Standards stehen dagegen nicht auf dem Etikett: Es sind Regeln der Branche, die Rohstoffe schon vor der Herstellung begrenzen oder verbieten.

Was auf dem Etikett eines Parfums in Europa stehen muss

Den Rahmen bildet die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel. Ein Parfum fällt darunter, ob Eau de Toilette oder Extrait de Parfum. Artikel 19 legt die Pflichtangaben auf Behälter und Verpackung fest.

Dazu gehören Name und Anschrift der verantwortlichen Person, eine Chargennummer, Warnhinweise, der Verwendungszweck und die Liste der Bestandteile. Diese Liste folgt der internationalen INCI-Nomenklatur, in absteigender Reihenfolge des Gewichts zum Zeitpunkt der Zugabe. Bei einem Parfum auf Alkoholbasis beginnt sie meist mit „Alcohol denat.“, dem Alkohol als Träger, gefolgt von „Parfum“.

Dieses eine Wort fasst Dutzende, manchmal Hunderte von Rohstoffen zusammen. Die Verordnung erlaubt das ausdrücklich: Parfum- und Aromastoffe werden mit dem Begriff „parfum“ oder „aroma“ angegeben. So bleibt die Formel eines Hauses geschützt. Kein Wettbewerber kann das Rezept von der Schachtel ablesen.

Bei Nischenflakons stehen diese Angaben oft auf dem Umkarton statt auf dem Glas. Bewahren Sie die Schachtel auf, wenn Sie empfindliche Haut haben. Dort finden Sie in der Regel die vollständige Liste.

Deklarationspflichtige Allergene und die Grenzwerte von 0,001 % und 0,01 %

Die Ausnahme vom Sammelbegriff „Parfum“ betrifft Stoffe, die in Anhang III der Verordnung mit einer Kennzeichnungspflicht aufgeführt sind. Sie müssen einzeln in der Liste der Bestandteile erscheinen, sobald ihre Konzentration 0,001 % in Mitteln, die auf der Haut verbleiben, und 0,01 % in abzuspülenden Mitteln überschreitet. Parfum wird aufgesprüht und bleibt auf der Haut. Es gilt also der Grenzwert von 0,001 %.

Lange umfasste die Liste 26 Stoffe. Ihre Namen kennt man von der Rückseite vieler Schachteln: Linalool, Limonene, Citronellol, Geraniol, Coumarin, Eugenol, Citral, Benzyl Benzoate, Benzyl Salicylate. Dazu kamen zwei natürliche Extrakte, Eichenmoos und Baummoos, unter ihren lateinischen Namen Evernia Prunastri und Evernia Furfuracea.

Viele dieser Moleküle kommen in ätherischen Ölen vor. Linalool steckt in Lavendel und Bergamotte. Limonen dominiert in Zitrusölen. Cumarin gibt der Tonkabohne ihren Duft. Citronellol und Geraniol gehören zum Duft der Rose. Ein Parfum mit vielen natürlichen Rohstoffen kann daher eine längere Allergenliste tragen als ein stark synthetisches. Mehr dazu in unserem Artikel über natürliche Rohstoffe und synthetische Moleküle.

Wichtig: Die Angabe bedeutet nicht, dass das Produkt gefährlich ist. Sie richtet sich an Menschen, die bereits auf einen Stoff sensibilisiert sind. Wer auf Geraniol allergisch reagiert, erkennt das Wort auf dem Etikett und kann das Produkt meiden.

Die Verordnung 2023/1545 und die neuen Allergene seit 2026

2012 veröffentlichte der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) eine Stellungnahme zu Duftstoffallergenen. Er nannte 56 weitere Stoffe, die beim Menschen eindeutig Allergien ausgelöst hatten. Die Kommission setzte diese Stellungnahme mit der Verordnung (EU) 2023/1545 vom 26. Juli 2023 um, die diese 56 Einträge in Anhang III aufnimmt.

Die Grenzwerte bleiben gleich: 0,001 % für Mittel, die auf der Haut verbleiben, 0,01 % für abzuspülende Mittel. Der Zeitplan hat zwei Stufen:

  • seit dem 31. Juli 2026 muss jedes neu in der EU in Verkehr gebrachte Produkt die erweiterte Kennzeichnung tragen;
  • Produkte, die vor diesem Datum in Verkehr gebracht wurden, dürfen noch bis zum 31. Juli 2028 verkauft werden.

In den nächsten Jahren werden Sie also zwei Versionen derselben Schachtel nebeneinander sehen. Die alte, kürzere Liste und die neue, längere. Das Parfum hat sich dadurch nicht unbedingt verändert. Ergänzt wurde vor allem die Information auf der Verpackung.

IFRA: Branchenstandards, kein Gesetz

Die IFRA, der internationale Verband der Duftstoffindustrie, veröffentlicht Standards, zu deren Einhaltung sich ihre Mitglieder verpflichten. Sie beruhen auf den Sicherheitsbewertungen des RIFM, des Forschungsinstituts für Duftstoffe. Es gibt drei Arten von Standards:

  • Verbote, die einen Stoff aus jeder Komposition ausschließen;
  • Beschränkungen, die je nach Produktart eine Höchstkonzentration festlegen;
  • Spezifikationen, die Reinheitskriterien für einen Stoff vorschreiben.

Die Grenzwerte hängen von der Anwendung ab. Die IFRA teilt Produkte in Expositionskategorien ein: Lippenbalsam, Körpercreme, Deodorant und Kerze werfen unterschiedliche Fragen auf. Feine Parfums, vom Eau de Toilette bis zum Extrait, gehören zur Kategorie 4. Derselbe Stoff kann also in einem Extrait in einer bestimmten Dosis erlaubt sein und in einer Creme nur in einer niedrigeren.

Die Standards werden durch Amendments weiterentwickelt. Das 51. Amendment wurde am 30. Juni 2023 notifiziert. Die Konsultation zum 52. Amendment endete im Juni 2026, die endgültige Fassung war bei Redaktionsschluss noch nicht notifiziert.

Die IFRA ist keine Behörde. In der Europäischen Union gilt für alle die Kosmetikverordnung. Beide treffen sich oft. Eichenmoos ist ein gutes Beispiel: Die IFRA begrenzt seit Langem den Gehalt an Atranol und Chloratranol, zwei stark sensibilisierenden Verbindungen. Die Verordnung (EU) 2017/1410 hat diese beiden Stoffe dann in Kosmetika verboten. Produkte, die sie enthielten, durften ab dem 23. August 2019 nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht und ab dem 23. August 2021 dort nicht mehr verkauft werden. Parfümeure verwenden heute Eichenmoosextrakte, aus denen diese Verbindungen entfernt wurden.

Die verantwortliche Person und die Produktinformationsdatei

Jedes in der EU verkaufte Kosmetikprodukt braucht eine in der EU ansässige verantwortliche Person. Oft ist das der Hersteller oder der Importeur. Name und Anschrift stehen auf der Verpackung. Diese Person gewährleistet, dass das Produkt der Verordnung entspricht.

Dafür führt sie eine Produktinformationsdatei. Sie enthält unter anderem einen Sicherheitsbericht, den eine qualifizierte Fachperson erstellt. Außerdem wird das Produkt vor dem Inverkehrbringen im EU-Notifizierungsportal für kosmetische Mittel gemeldet. Das alles geschieht im Hintergrund. Die Kundschaft sieht nur die Anschrift auf der Rückseite der Schachtel.

Bei einem Nischenhaus außerhalb Europas, etwa in Thailand oder im Vereinigten Königreich, ist diese europäische Anschrift ein gutes Zeichen. Sie zeigt, dass sich jemand um die Konformität des Produkts für den EU-Markt kümmert.

Beispiele aus dem Sortiment von Passion Parfum

Unsere Produktseiten nennen die Duftnoten, nicht die INCI-Liste. Die folgenden Beispiele zeigen nur, welche Rohstoffe laut Duftnoten zu den kennzeichnungsrelevanten Stoffgruppen gehören. Die genaue Liste hängt von der Formel ab und steht auf der Verpackung des jeweiligen Parfums.

  • Maverick, Aaron Terence Hughes. Bergamotte, Mandarine und Zitrone in der Kopfnote, Tonkabohne im Herzen, dann weißer Moschus, Patchouli, Muskatnuss und Zedernholz. Die Zitrusfrüchte bringen Limonen, die Tonkabohne Cumarin. Beide Stoffe stehen auf der ursprünglichen Liste der deklarationspflichtigen Allergene. Mehr zum Rohstoff in unserem Artikel über die Tonkabohne.
  • Red Fever, Aaron Terence Hughes. Bergamotte und Birne, dann Lilie, Himbeere, Pflaume, Pfirsich und Rosenabsolue, auf einer Basis aus Mandel, Vanille, Amber, Eichenmoos und Ambra. Er verbindet die Rose, eine Quelle von Citronellol und Geraniol, mit Eichenmoos, einem der beiden natürlichen Extrakte der ursprünglichen Liste.
  • Sugidama, Tada Parfumeur. Sugi-Öl, Lavendel, Bergamotte und Safran in der Kopfnote, Maiglöckchen und Zeder im Herzen, Guajakholz, Moschus, Sandelholz und Patchouli in der Basis. Lavendel und Bergamotte sind zwei wichtige natürliche Quellen von Linalool.
  • Night Tempo, Tada Parfumeur. Zucker, metallische Noten, Limette und Vinyl, dann Wildleder, Iris und Rose, auf Ambroxan, Leder und Eichenmoos. Die Eichenmoosnote verweist auf einen der am strengsten geregelten Rohstoffe, durch die IFRA ebenso wie durch das EU-Recht.
  • Rosanostra, Spiritica. Bitterorange und eine Blutnote in der Kopfnote, schwarze Taif-Rose, Damaszener Rose, Rosa centifolia und verbranntes Papier im Herzen, Weihrauch und feuchte Erde in der Basis. Drei Rosen in einer Formel: Wenn Sie auf Geraniol oder Citronellol reagieren, sollten Sie bei solchen Parfums die Schachtel genau lesen.

Weitere Rosenkompositionen finden Sie in der floralen Kollektion, die anderen Kreationen beider Häuser in den Kollektionen Aaron Terence Hughes und Tada Parfumeur.

Häufige Fragen

Ist ein Parfum ohne Allergene auf dem Etikett unbedenklich?

Nein. Fehlt die Angabe, heißt das nur, dass kein gelisteter Stoff den Grenzwert von 0,001 % überschreitet. Man kann auch auf einen Stoff allergisch sein, der nicht auf der Liste steht. Ein kurzes Etikett ist für bereits sensibilisierte Menschen trotzdem eine nützliche Information.

Was bedeutet „Parfum“ in der Liste der Bestandteile?

Das Wort steht für die gesamte Duftkomposition. Das EU-Recht erlaubt, sie unter einem Begriff zusammenzufassen, um die Formel zu schützen. Nur regulierte Allergene oberhalb des Grenzwerts werden einzeln genannt.

Ist ein IFRA-konformes Parfum hypoallergen?

Nein. IFRA-Konformität bedeutet, dass die Rohstoffe innerhalb der Grenzen bleiben, die die Branche für jede Produktkategorie festlegt. Das senkt das Sensibilisierungsrisiko für die Allgemeinbevölkerung. Wer bereits auf einen Stoff in der Formel allergisch ist, ist dadurch nicht geschützt.

Wie finde ich heraus, ob ich auf ein Parfum allergisch bin?

Rötungen oder Juckreiz an der Stelle, an der Sie Parfum auftragen, sind ein Warnsignal. Nur ein Hautarzt oder Allergologe kann den auslösenden Stoff bestimmen, meist mit einem Epikutantest. Notieren Sie dann seinen INCI-Namen und achten Sie auf Etiketten darauf.

Warum hat sich die Liste der Bestandteile meines Parfums geändert?

Meist ist das die Folge der Verordnung 2023/1545: Seit dem 31. Juli 2026 müssen neue Chargen 56 zusätzliche Allergene angeben. Die Formel kann identisch sein. Eine Reformulierung ist möglich, aber das neue Etikett allein beweist sie nicht.

Mehr Hintergrund bietet unsere Seite Parfum verstehen mit Artikeln über Aufbau und Anwendung von Parfum, darunter der Beitrag darüber, wie jede Haut reagiert. Bei empfindlicher Haut beginnen Sie am besten mit einer 2-ml-Probe: Jedes Parfum im Sortiment gibt es in dieser Größe, so können Sie es mehrere Tage tragen, bevor Sie den Flakon kaufen.